Interdisziplinäre Tagung "Körper und Rationalität"

Interdisziplinäre Tagung: Körper und Rationalität - Perspektiven aus der Körpergeschichte und aktuelle Debatten der Ethik

Ort: Universität Freiburg, Miséricorde 08, Saal 102, Rue de Rome 6

Datum: 16.-17. November 2018

Kontakt und Fragen: cornelia.muegge@unifr.ch oder stefan.rindlisbacher@unifr.ch

Um Anmeldung wird gebeten bis zum 7. November

 

Aktuelle Diskussionen um Human Enhancement durch Fitness, chirurgische Eingriffe und gentechnische Veränderungen, Überlegungen zum Transhumanismus oder die Körperinszenierung in sozialen Medien stellen unser Verständnis vom Körper und nicht zuletzt das traditionelle Begriffspaar Körper/Rationalität erheblich in Frage. Während sich Soziologie, Kultur- und Geschichtswissenschaften schon seit den 1980er Jahren intensiv mit dem menschlichen Körper beschäftigen, wird der corporeal turn in der Ethik, vor allem in der Theologie, bislang nur zögerlich rezipiert. Die Tagung möchte verschiedene Perspektiven – zur Untersuchung des Körpers und seiner Rationalisierung in der Geschichte; zur Konstruktion spezifischer Körperbilder; zum grundlegenden Verhältnis der Konzepte von Körper und Rationalität – in Austausch miteinander bringen und so zur Erhellung der Bedeutung von Körper und Rationalität in den verschiedenen Forschungsbereichen beitragen.

 

 

Weitere Informationen und das komplette Programm im Flyer...

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Archivtagung Ludwigstein

Archivtagung auf Burg Ludwigstein vom 19. bis 21. Oktober 2018

 

Lebensreform um 1900 und Alternativmilieu um 1980. Kontinuitäten und Brüche in Milieus der gesellschaftlichen Selbstreflexion im frühen und späten 20. Jahrhundert

 

"Als in den 1960er Jahren Hippies jenseits wie diesseits des Atlantik von sich reden machten, wurden in der Bundesrepublik schnell Stimmen laut, die in diesem Phänomen eine "neue Jugendbewegung" sahen. Und tatsächlich fanden sich im alternativen Milieu, das sich in den 1970er und 1980er Jahren verfestigte, nicht wenige Praktiken, politische Zielvorstellungen und habituelle Muster, die aus der Lebensreformbewegung um die vorangegangene Jahrhundertwende bekannt erschienen: freie Sexualität und Freikörperkultur, Siedlung auf dem Lande, alternative Haartracht und Bekleidung, Kritik der modernen Gesellschaft, Streben nach Gemeinschaft, politischer Radikalismus. Gleichzeitig unterschieden sich die Kontexte dieser Kritik beträchtlich: Urbanisierung und industrielle Moderne auf der einen, postindustrieller und, auf der kulturellen Ebene, postmoderner "Strukturbruch" auf der anderen Seite. Inwieweit sich die Phänomene tatsächlich ähnelten, wo sie jeweils zeitspezifisch waren und sich also unterschieden, ist bislang wenig untersucht worden. Auch mögliche Verbindungslinien personeller oder institutioneller Art sowie Rezeptionsmuster der Lebensreform im Alternativmilieu sind bislang kaum eingehender betrachtet worden. Hier will die Archivtagung 2018 ansetzen und über die genauere Betrachtung zweier Schübe von Kulturkritik und ihrer milieuhaften Verfestigungen Aspekte des Wandels der modernen Gesellschaft in Deutschland über ihre besonders "reflexiven" (Ulrich Beck) Strömungen ausloten."

 

Zur Tagung des Archivs der deutschen Jugendbewegung laden ein:

Prof. Dr. Detlef Siegfried (Kopenhagen)

und Dr. David Templin (Osnabrück)

 

Samstag 20. Oktober, 14.00 Uhr:

Stefan Rindlisbacher (Fribourg): Sanatorien, Reformhäuser und Biohöfe: Die Entstehung der Reformwirtschaft in der Schweiz (1900-1932)

 

Eva Locher (Fribourg): „Keimzellen einer einfachen, gesunden, friedlichen Lebensweise“. Zur Interaktion zwischen alten Lebensreformern und jungen Alternativen in der Schweiz (1960er und 1970er Jahre)

 

Samstag 20. Oktober, 19.30 Uhr:

Abendpodium und Diskussion Lebensreform und Alternativmilieu – Bewegungen gegen die Moderne oder Katalysatoren gesellschaftlicher Selbstreflexion? Moderiert von Detlef Siegfried (Kopenhagen) diskutieren Damir Skenderovic (Fribourg), Bernd Wedemeyer-Kolwe (Hannover) und Silke Mende (München)

 

Hier geht es zum Flyer mit dem kompletten Programm...

Hier geht es zur Webseite des Archivs der Deutschen Jugendbewegung...

Panel EASR 2018

16th Annual Conference of the European Association for the Study of Religions (EASR)

17-21 June 2018, Bern

 

Life reform networks in transnational context: c. 1900-c. 1970

21 June, 9:00am - 10:30am / Unitobler, F022 (Lerchenweg 36)

  • Bernadett Bigalke: Colon hygiene, breathing and Vegetarian diet as religious practices: David Ammann as missionary for Mazdaznan in Leipzig around 1900
  • Steven Sutcliffe: Diet and Life Reform: the Scottish Vegetarian Dugald Semple (1884-1964)
  • Stefan Rindlisbacher: The Swiss life reformer Werner Zimmermann as a popularizer of spiritual body practices: Meditation, deep breathing and karezza
  • Eva Locher: Body and Self – Life reform after 1950 as (religious) counselling?
  • Helmut Zander: Session Chair

The earlier historiography of Lebensreformbewegung or the ‘life reform movement’ has been dominated by a question arising from the German experience on whether Lebensreform was essentially anti-modern or even reactionary: for example, Thoms (2010) discusses the ambiguous evaluation of vegetarianism under National Socialism, while Stone (2004) describes ‘organo-fascism’ in the UK arising from the confluence of ‘back to the land’ impulses with ultra-conservative politics. In contrast, Rohrkrämer has argued that Lebensreform was capable of expressing an ‘alternative modernity’ (andere Moderne), and versions of this position have been expressed by historians such as Jefferies (2003) and Williams (2007) in English language studies, and by Möhring (2004) and Fritzen (2006) in German. This panel seeks to represent Lebensreform or ‘life reform’ as a more nuanced and differentiated phenomenon which occurred across the cultural and political spectrum. In particular it focuses on specific ‘religious’ aspects of life reform which have been less widely addressed.

The panel consists in four case studies of practitioners of ‘life reform’ or Lebensreform in different European geopolitical contexts: Scotland, Germany and Switzerland. We emphasise the transnational communication and transfer of ideas and practices through networks, groups, interpersonal contacts, print and photographic media across the period 1900-1970, with a focus on micro-periods within this broad frame, and also on points of thematic continuity in the long duree. Each contributor will provide a brief empirical case study focusing on a specific religious aspect or theme expressed by one or more practitioners or groups. They will place these aspects first in local empirical context, while also identifying points of communication and transfer across national borders and/or cultural fields.

 

more information on the website of the EASR...

 

Radiobeitrag zur Tagung

Im Kulturmagazin auf Deutschlandfunk lief ein kurzer Beitrag zur Monte-Verità-Tagung in Rom am 29./30. November.

 

Hier geht es zum Artikel und Podcast.

Vortrag: Am Anfang war der Monte Verità?

Am 29. und 30. November organisiert das Istituto Svizzero di Roma zusammen mit der Sapienza Università di Roma und dem Istituto Italiano di studi germanici die Tagung "Zwischen Rebellion und Konservation – Monte Verità und die deutsche Kultur".

 

"Era il 1900 quando un gruppo di innovatori, guidati da un ricco olandese, due fratelli tedeschi e una pianista originaria del Montenegro, si ritirò sulle colline sopra Ascona prospicienti il lato svizzero del lago Maggiore. Nacque così una singolare colonia indipendente, che si diede il nome di Monte Verità, in cui teorizzare e praticare una vita radicalmente diversa da quella metropolitana del periodo a cavallo tra fine ‘800 e inizio ‘900. Il luogo ben presto attrasse personalità diversissime, artisti, intellettuali, sognatori, utopisti politici, mistici, ricchi turisti in cerca di rigenerazione fisica e spirituale, nudisti e vegetariani radicali. Il convegno internazionale intende presentare in una serie di relazioni ad ampio spettro la ricchezza e la varietà di quell’esperienza, cercando di restituire non soltanto le idee e le figure di quel composito movimento – che oscillava perennemente tra la progettazione di una utopia radicale e la restaurazione di un rapporto integrale con la natura –, ma anche analizzando le suggestioni artistiche e antropologiche."

 

Donnerstag (30.11.):

9.30 Uhr: Andreas Schwab: Im Süden zur Kur. Das Sanatorium Monte Verità

10.00 Uhr: Stefan Rindlisbacher: Am Anfang war der Monte Verità? Die Lebensreformbewegung in der Schweiz nach 1920

 

Der Flyer (PDF) mit dem vollständigen Programm gibt es hier.

Zur Webseite des Istituto Svizzero di Roma geht es hier.

 

 

Tagungsbericht und Rezension

Markus Hedrich hat auf H-Soz-Kult einen Tagungsbericht zum Workshop "Rausch-Körper im 19. und 20. Jahrhundert" veröffentlicht. Hier geht es zum Text...

 

Ebenfalls auf H-Soz-Kult ist eine Rezension von Daniel Watermann zum Sammelband "Kreise – Bünde – Intellektuellen-Netzwerke" mit unserem Artikel zum Schweizerischen Lichtbund erschienen. Hier geht es zum Text...

Vortrag: Abstinente Jugendliche im Höhenrausch

Workshop: Rausch-Körper im 19. und 20. Jahrhundert

29.07.2017 - Universität zu Köln

 

Im 19. und 20. Jahrhundert kam es in Westeuropa und den USA förmlich zu einer Explosion von Rauschdiskursen und einer Auffächerung von Rauschverständnissen. Ziel des Kölner Workshops ist, unterschiedliche Räusche (z.B. Sex, Drogen, Religion, Tanz, Sport, Gewalt, Geschwindigkeit) zusammen, vergleichend oder auch in ihrer Verknüpfung und unter einem gemeinsamen Blickpunkt zu analysieren und zu diskutieren.

 

10.00 – 12.00 Panel I: Rausch, Disziplin und Gemeinschaft: Sport und Lebensreform im 20. Jahrhundert

Sarah Fladung (Würzburg): Das Phänomen Extremsport – Auf der Suche nach Grenzerfahrungen zwischen Ekstase und Askese

Rudolf Oswald (Würzburg): Zwischen Volksgemeinschaft und „Vereinsfanatismus“: Das Fußballstadion als Ort rauschhafter Vergemeinschaftung im Dritten Reich

Eva Locher/Stefan Rindlisbacher (Freiburg (CH)): Abstinente Jugendliche im Höhenrausch

 

13.00 – 15.00 Panel II: Räusche auf Papier: Psychiatrische und literarische Experimente

Isabelle Ståhl (Stockholm): Reconciling Subject and object. Literarische Rauschgiftstudien in the Weimar Republic 1919-1933

Ivo Gurschler (Berlin/Wien/Linz): Ausweg Auflösung? Körperliche Ausnahmezustände in Beringers Meskalinrausch (1927)

Joris Löschburg (Hamburg): Im Kriegsrausch: Ernst Jüngers Selbstgeburt aus dem Kampf

 

15.00 – 17.00 Panel III: Berauschte und abweichende Körper: Sexualität, Tanz und Devianz

Hannes Walter (Berlin): Kokain, Sexualität und Devianz. Der Kokainrausch im Fokus der Psychiatrie in der Weimarer Republik

Lisa Hecht (Köln): Im Rausch der sieben Schleier – Salomes Tanz bei Aubrey Beardsley und Alla Nazimova

Jan-Henrik Friedrichs (Hildesheim): „Wie ein sexueller Höhepunkt“. Körper, Geschlecht und Sexualität im bundesrepublikanischen Drogendiskurs der 1970er und 1980er Jahre

 

Mehr Informationen auf H-Soz-Kult...

Vortrag: Körper in der Krise

"Medizinhistorische Runde" im Medizinhistorischen Institut Bern

 

Körper in der Krise: Diagnosen und Antworten der Lebensreformbewegung

Prof. Damir Skenderovic 

 

Dienstag, 02.05.2017, 17.15 – 18.30 Uhr

Hörsaal des Anatomie-Gebäudes, Bühlstrasse 26, Bern

 

Öffentlicher Vortrag, kostenloser Eintritt

 

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Artikel "Lichtbund"

 

 

 

 

 

Eva Locher; Stefan Rindlisbacher, „Innere Verwandtschaft braucht keine Organisation“ - Der Schweizerische Lichtbund im 20. Jahrhundert, in: Frank-Michael Kuhlemann, Michael Schäfer (Hg.), Kreise – Bünde – Intellektuellen-Netzwerke. Formen bürgerlicher Vergesellschaftung und politischer Kommunikation 1890–1960, Bielefeld 2017, S. 221-244.

 

Mehr Information auf der Seite des transcript-Verlages.

 

 

 

 

 

Wir erzählen in diesem Artikel die Geschichte des "Schweizerischen Lichtbundes" (später Organisation der Naturisten in der Schweiz) als wichtigste FKK-Vereinigung der Schweiz und Pionier der internationalen Naturistenbewegung. Im Fokus stehen die organisatorischen und ideologischen Entwicklungen des Bundes von den 1920er bis in die 1970er Jahre. Im Spannungsfeld zwischen individualistischer Selbstreform und organisiertem Vereinsleben durchlief der Lichtbund Krisen und Umbrüche. Nach einem rasanten Aufstieg folgten Jahre der Stagnation und Selbstfindung, neuer Aufbrüche und Abspaltungen. Die Auseinandersetzungen über die Grundlagen der Lebensreform (Alkohol- und Tabakverbot, Vegetarismus etc.) prägten den Lichtbund ebenso wie Diskussionen über geeignete Formen der Zusammenarbeit.

Lunch Lecture Series

 

 

Vegetarismus, Veganismus und Flexitarismus liegen im Trend. In der Schweiz hinterfragen immer mehr Menschen ihren Fleischkonsum. Darf man Tiere für unsere Ernährung töten? Welche Rechte haben Tiere? Ist Fleisch für eine gesunde Ernährung notwendig? Schon seit Jahrhunderten wird darüber diskutiert, ob Tiere auf den Speiseplan des Menschen gehören. Die Vortragsreihe «Tiere essen» stellt historische und aktuelle Debatten in Philosophie, Theologie und Anthropologie vor.

 

Eine Vortragsreihe im Rahmen des SNF-Projekts «Die Lebensreformbewegung in der Schweiz im 20. Jahrhundert» und in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Allgemeine Moraltheologie und Ethik der Universität Fribourg.

 

Wann: jeweils mittwochs vom 16. November bis 7. Dezember 2016 zur Mittagszeit (12.15 – 13.30 Uhr). Vorträge bis 13 Uhr, im Anschluss offene Diskussion und vegetarischer Apero.

 

Wo: Universität Freiburg, Miséricorde, MIS 4112 (Salle Jäggi) oder MIS 2029 (Salle de cinéma).

 

Wer: Die Vortragsreihe steht allen Interessierten offen (freier Eintritt). Keine Vorkenntnisse nötig.

 

 

16. November 2016, 12.15 – 13.30 Uhr, MIS 2029 (Salle de cinéma)

Florian Lippke (Fribourg): Homo edens. Theologie und Ideologie des Tierkonsums in der Antike

 

23. November 2016, 12.15 – 13.30 Uhr, MIS 4112 (Salle Jäggi)

Markus Wild (Basel): Hunde, Schweine und Personen. Grundsätzliche Gedanken zur Tierethik

 

Fällt krankheitsbedingt aus!

30. November 2016, 12.15 – 13.30 Uhr, MIS 4112 (Salle Jäggi)

Rainer Hagencord (Münster): Warum wir die einen verspeisen und die anderen verwöhnen. Vom Projekt einer Theologischen Zoologie

 

7. décembre 2016, 12h15 à 13h30, MIS 4112 (Salle Jäggi)

Laurence Ossipow (Genève): Le temps leur a donné raison … : pratiques et références végétariennes en Suisse romande

 

Mehr Informationen auf dem Flyer (PDF...)

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Vortrag in Saarbrücken

"Die Tagung widmet sich der Historisierung von Jugendmedien und richtet sich an NachwuchswissenschaftlerInnen, vorzugsweise aus der Geschichtswissenschaft, aber auch aus historisch arbeitenden Nachbardisziplinen wie Kultur- und Sozialwissenschaften, Pädagogik u.a.

 

Ziel ist es, Jugendmedien sowohl in ihren Inhalten und ihrer Ästhetik als auch in ihrer Eingebundenheit in soziopolitische wie sozioökonomische Rahmenbedingungen zu thematisieren, um ihren Status als soziokulturelle Akteure im 19. und 20. Jahrhundert deutlich zu machen." 

 

 

08. September 2016, 14.30 Uhr

Stefan Rindlisbacher (Fribourg): TAO. Eine transnationale Jugendzeitschrift in der Zwischenkriegszeit

 

 

Hier geht es zum kompletten Programm der Tagung...

Artikel Vegetarismus

Das Wissenschaftsmagazin universitas der Universität Freiburg beschäftigt sich in der aktuellen Ausgabe mit dem Vegetarismus (Nr. 4, Juni 2016). Unter dem Titel "Hauptsache fleischlos" befasse ich mich auf Seite 31-32 mit der Geschichte der vegetarischen Ernährung in der Schweiz im 19. und 20. Jahrhundert.

 

Die komplette universitas-Ausgabe mit dem Artikel zur Geschichte des Vegetarismus in der Schweiz ist online verfügbar. Hier geht es direkt zum PDF.

Bericht Geschichtstage

Auf infoclio.ch (Fachportal für die Geschichtswissenschaften der Schweiz) ist ein Bericht von Anina Eigenmann (Universität Bern) über das Panel "Lebensreform und alternative Lebensstile im 20. Jahrhundert: Gegenmächte im Alltagsleben" an den Vierten Schweizerischen Geschichtstagen erschienen.

 

Zum Bericht...

Schweizer. Geschichtstage

Lebensreform und alternative Lebensstile im 20. Jahrhundert:

Gegenmächte im Alltagsleben

 

Samstag, 11. Juni 2016

13:45 bis 15:15 Uhr

Université de Lausanne, Raum 2060

 

Sexualmoral, Familienmodelle, Ernährungsgewohnheiten, Arbeitsethos oder Konsumverhalten – Normen, Werte und Sitten werden laufend bewertet, hinterfragt und neu bestimmt. Ein Blick auf diese Aushandlungsprozesse verrät viel über die Machtverhältnisse in Gesellschaften. Bis ins 19. Jahrhundert diktierten wenige Akteure aus Staat, Kirche und Gesellschaft die Regeln des Zusammenlebens. Mit dem Bedeutungsgewinn der Medien, sozialen Bewegungen und Akteuren aus der Zivilgesellschaft erfolgte eine Pluralisierung des gesellschaftlichen Aushandlungsprozesses. Zu den neuen (Gegen-)Mächten gehörten auch jene Gruppen, Bünde und Milieus, die unter dem Begriff „Lebensreform“ summiert werden. Mit ihren Forderungen nach einer Veränderung der Ernährung, Erziehung, Sexualität, Medizin, Wohnformen oder Freizeitbeschäftigungen stellten sie sich gegen geltende Gewissheiten, Verhaltensregeln und Lebensweisen.

Durch den oftmals geringen Organisationsgrad und den individualistisch-selbstreformerischen Ansatz lassen sich lebensreformerische Praktiken als niederschwellige Formen der alltäglichen Opposition gegenüber etablierten Mächten und deren Wertvorstellungen beschreiben. Der Verzicht auf Fleisch, Alkohol und Nikotin, der Konsum biologischer Nahrungsmittel, alternative oder komplementäre Formen der Gesundheitsbehandlung, fernöstliche und neureligiöse Spiritualität oder das Tragen von Reformkleidung lassen sich mit wenig Aufwand in das alltägliche Leben integrieren. Dazu sind keine mächtigen Organisationen, Parteien oder Interessensgruppen nötig. Trotzdem können solche Praktiken nachhaltigen Einfluss auf die Gestalt einer Gesellschaft ausüben.

Das Panel fragt nach den Räumen, in denen lebensreformerische Akteure alternative Lebensstile verhandelten und erprobten, den gesellschaftlichen Widerständen, mit denen sie zu kämpfen hatten und den Prozessen, durch die marginalisiertes Wissen in die Mitte der Gesellschaft vordringen konnte und damit den gesellschaftlichen Wandel beschleunigte. Obwohl lebensreformerische Konzepte und Praktiken oft belächelt, manchmal scharf kritisiert und zum Teil auch juristisch verfolgt wurden, haben sie sich im 20. Jahrhundert von Randphänomenen zu wirkungsvollen Alltagspraktiken entwickelt, die heute starken Einfluss auf die Gesellschaft ausüben. Alternative Lebensstile wie sie durch lebensreformerische Akteure geprägt wurden, sind heute nicht mehr Opposition, sondern selbstverständlicher Bestandteil der Gesellschaft.

 

Referate

  • Stefan Rindlisbacher : „Nacktheit ist sittlich“ – Entstehung, Konflikte und Etablierung der Freikörperkultur in der Schweiz (1900-1930) (mehr Informationen...)
  • Eva Locher : „Auf die verschiedensten Arten will man die Welt verbessern“ – Lebensreformerische Gesellschaftsveränderung in den 1960er und 1970er Jahren (mehr Informationen...)
  • Philipp Karschuck: Komplementärmedizin in der Palliative Care. Anthroposophische Sterbebegleitung seit den 1980er und 1990er Jahren (mehr Informationen...)

 

Hier geht es zur Website der Schweizerischen Geschichtstage 2016 in Lausanne.

 

Ausstellung: Monte VeritÀ

Artvera’s Gallery Geneva

“Monte Verità: Expressionist Utopia”

15. April ‒ 30. Juli 2016

 

Die Ausstellung zeigt den Einfluss der Lebensreform- und Freikörperkulturbewegung auf Avantgarde-KünstlerInnen wie Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky, Ernst Ludwig Kirchner und Arthur Segal. Insbesondere der Monte Verità entwickelte sich im frühen 20. Jahrhundert zu einem Anziehungspunkt für Künstler, Philosophen und Intellektuelle. Auch später suchten Kunstschaffende jeglicher Couleur in den Schweizer Alpen und insbesondere im Tessin nach Fluchtpunkten und Gegenräumen.

 

Künstler in der Ausstellung: Max Beckmann, Wladimir Burliuk, Vladimir Davidovich Baranov-Rossiné, André Derain, Kees van Dongen, Erich Heckel, Alexey von Jawlensky Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, August Macke, Edvard Munch, Otto Mueller, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff, Marianne von Werefkin, Georg Tappert und Arthur Segal. (mehr Informationen...)

Mit der Ausstellung ist auch ein Katalog mit Texten zur Geschichte des Monte Verità, der Lebensreform- und Freiköperkulturbewegung sowie der Avantgarde-KünstlerInnen erschienen.

 

Texte von Angelica Jawlensky Bianconi, Direktorin des Alexej von Jawlensky Archivs in Locarno, Andreas Schwab, Kurator der Monté Verità Foundation Ascona, Stefan Rindlisbacher, Historiker Universität Freiburg, Sofia Komarova, Direktorin der Artvera’s Gallery und Denise Marroquin und Flaminia Scauso, Kunsthistorikerinnen. (mehr Informationen...)

 

 

·         Bilingual Edition French/ English, colour illustrations

·         ISBN 978-2-9700840-8-2

·         Published by Artvera's Gallery

 

 

Artikel FKK in der Schweiz

Schweizerische Zeitschrift für Geschichte (Vol. 65, 2015, Nr. 3)

Stefan Rindlisbacher: Popularisierung und Etablierung der Freikörperkultur in der Schweiz (1900–1930), Seite 393-413. (mehr Informationen...)

 

Der Artikel folgt der Popularisierung freikörperkultureller Konzepte und Praktiken in der Schweiz in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Zum einen wird nach den ersten Hinweisen auf das nackte Baden in Licht, Luft und Wasser in der Schweizer Naturheilbewegung um 1900 gefragt, zum anderen wird der Übergang zum lebensreformerisch imprägnierten Nacktbaden in den 1920er Jahren dargestellt. Neben einem kurzen Blick auf Schweizer Naturheilärzte wie Arnold Rikli, Friedrich Fellenberg-Egli und Adolf Keller-Hoerschelmann konzentriert sich der Artikel vor allem auf die ersten freikörperkulturellen Gruppierungen der 1920er Jahre bis zur Gründung des "Schweizerischen Lichtbundes" 1927. Dabei wird nach den Transferprozessen gefragt, durch die freikörperkulturelle Konzepte und Praktiken in die Schweiz gelangen konnten. Vor allem zwischen Deutschland und der Schweiz gab es einen intensiven Austausch lebensreformerischer Gesundheits-, Erziehungs- und Gesellschaftsvorstellungen. Im Fokus steht hier vor allem der Lebensreformer Werner Zimmermann, der mit seinen Publikationen, Vorträgen und Ferienlagern nicht nur die Entwicklung der Freikörperkultur in der Schweiz, sondern auch vieler weiterer lebensreformerischer, reformpädagogischer und gegenkultureller Aktivitäten geprägt hat.

 

Die Beiträge der Schweizerischen Zeitschrift für Geschichte stehen 12 Monate nach dem Erscheinen frei zur Verfügung ("Open Access"). (mehr Informationen...)

Vortrag in Wien

Ein ungleiches Paar – Arbeit und Freizeit in Industriegesellschaften des 19. und 20. Jahrhunderts

 

Konferenz vom 21.01.2016 - 23.01.2016 an der Universität Wien. (mehr Informationen...)

 

Freitag, 22. Januar 2016, 9:00-10:30, Bildungszentrum der Arbeiterkammer Wien:

Stefan Rindlisbacher: Ferien als „schöpferische Pause“. Arbeit und Freizeit aus lebensreformerischer und reformpädagogischer Perspektive

Workshop Lebensreform

Im Rahmen des SNF-Projekts «Die Lebensreformbewegung in der Schweiz im 20. Jahrhundert» findet am 30. Oktober 2015 an der Universität Fribourg ein Workshop für Master-Studierende und Doktorierende zum Thema «Von der Lebensreform- zur Alternativbewegung - Eine andere Geschichte der Schweiz im 20. Jahrhundert?» statt.

 

Obwohl seit einigen Jahren das Forschungsinteresse an der Lebensreform-, Sexualreform- und Jugendbewegung, an der Theosophie und Anthroposophie, an der 1968er-, Ökologie- und Alternativbewegung auch in der Schweiz zunimmt, blieben die Untersuchungen bisher räumlich und zeitlich auf einzelne Akteure und enge Zeiträume beschränkt. Der Workshop soll die Forschungsperspektive öffnen: Einerseits werden durch die longue durée-Perspektive Entwicklungen und Kontinuitäten sichtbar, andererseits zeigen sich durch die Gegenüberstellung verschiedener Akteure personelle Verbindungen und inhaltliche Überschneidungen, die bisher kaum thematisiert wurden.

 

Der Workshop richtet sich an Master-Studierende und Doktorierende aus geschichts-, kultur-, religions- und sozialwissenschaftlichen Studienrichtungen.


Wir bitten um eine Anmeldung mit Name und Studienrichtung bis spätestens 25. Oktober: anmeldung@lebensreform-zeitgeschichte.ch

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Veranstaltungsreihe Sozialarchiv

Das Sozialarchiv in Zürich organisiert zusammen mit dem Historiker und Kurator Andreas Schwab zwischen August und November mehrere Veranstaltungen zum Thema "Wege zum Glück? – Utopien und alternative Lebensformen gestern und heute". Mehr Informationen...

 

Donnerstag, 27. August 2015, 19.00 Uhr:

Utopien revisited – im Schnellgang durch 200 Jahre anderes Leben

Referate von Christian Koller, Andreas Schwab und Damir Skenderovic

Schweizerisches Sozialarchiv, Theater Stadelhofen

Veranstaltungsflyer

 

Samstag, 12. September 2015, 14.30 Uhr:

Freiheit im Freidorf? Ein genossenschaftliches Pionierprojekt auf dem Prüfstand

Führung durch das Freidorf Muttenz mit Philipp Potocki und Referat von Matthias Möller

Exkursion ins Freidorf Muttenz

Veranstaltungsflyer

 

Dienstag, 29. September 2015, 20.00 Uhr:

Monte Verità – eine szenische Textcollage mit Tanz und Musik

Texte, Bilder, Musik und Tanz mit Richard Butz, Nathalie Hubler, Claudia Roemmel und Julian Sonderegger

Schweizerisches Sozialarchiv, Theater Stadelhofen

Veranstaltungsflyer

 

Dienstag, 13. Oktober 2015, 19.00 Uhr:

Longo Maï – eine selbstverwaltete Kooperative vor neuen Herausforderungen

Prodiumsdiskussion mit Kathi Hahn, Hannes Reiser und Katharina Morawietz

Schweizerisches Sozialarchiv, Theater Stadelhofen

Veranstaltungsflyer

 

Donnerstag, 26. November 2015, 19.00 Uhr:

ICF – Erfahrungen eines Fotografen

Fotopräsentation von Christian Lutz mit Diskussion

Schweizerisches Sozialarchiv, Theater Stadelhofen

Veranstaltungsflyer

Call for Papers - 4. Schweiz. Geschichtstage

Am 9. bis 11. Juni 2016 finden an der Universität Lausanne die 4. Schweizerischen Geschichtstage statt. Wir werden mit unserem Forschungsprojekt im Panel «Lebensreform und alternative Lebensstile im 20. Jahrhundert: Gegenmächte im Alltagsleben» daran teilnehmen. Bis zum 25. August 2015 haben Forscherinnen und Forscher noch Zeit, sich im Rahmen des Call for Papers mit einem Beitrag für die Panels zu bewerben. Auch in unserem Panel ist noch ein Platz für ein Referat frei.

 

Mehr Informationen zu den Geschichtstagen und zum Call for Papers gibt es hier.

Hier geht es direkt zu unserem Panel.

Artikel - "FKK als Trendsetter"

Die aktuelle Ausgabe  des Wissenschaftsmagazins universitas der Universität Freiburg beschäftigt sich mit dem Thema «Schönheit» (Nr. 4, Juni 2015). Auf Seite 31-32 haben wir uns unter dem Titel «FKK als Trendsetter» mit den Körper- und Schönheitsidealen der Freikörperkultur auseinandergesetzt. Dabei spüren wir den Verbindungen des «schönen» Körpers mit den Auffassungen einer «gesunden», «natürlichen» und «selbstverantwortlichen» Lebensweise nach. Welchen Einfluss hatte die Entkleidung des Menschen um 1900 auf die Wahrnehmung des eigenen Körpers und hat die Freikörperkultur mit ihren Konzepten und Praktiken den aktuellen Trend der Selbstvermessung und des «formbaren Körpers» vorweggenommen?

 

Die komplette universitas-Ausgabe mit dem Artikel zur Schönheit in der Freikörperkultur ist online verfügbar. Hier geht es direkt zum PDF.

Vortragsreihe "Anders Leben"

15. April bis 6. Mai: Vier Vorträge im Rahmen des SNF-Forschungsprojekts "Die Lebensreformbewegung in der Schweiz im 20. Jahrhundert" an der Uni Freiburg.

Die Suche nach einem anderen, einem «natürlichen» Leben ist nicht neu. Unter dem Motto «zurück zur Natur» wurde im Verlauf des 20. Jahrhunderts immer wieder nach Alternativen zur urbanen Industrie- und Konsumgesellschaft gesucht. Ob Vegetarismus, Naturismus, Freikörperkultur oder Siedlungsprojekte – die Vortragsreihe wirft einen Blick auf Ideen und praktische Versuche, andere Lebensweisen zu gestalten.

 

Wann: jeweils mittwochs vom 15. April bis 6. Mai 2015 zur Mittagszeit (12.15 – 13.30 Uhr).

Als Lunch werden Brown Bags mit vegetarischem Essen serviert.

Wo: Universität Freiburg, Miséricorde, MIS 4112 (Salle Jäggi) oder MIS 2029 (Salle de cinéma).

 

Die Vortragsreihe steht allen Interessierten offen (freier Eintritt).

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Vortrag In Dresden

Kreise – Bünde – Intellektuellen-Netzwerke. Formen bürgerlicher Vergesellschaftung und politischer Kommunikation 1890-1960.

 

Tagung am 27./28. März 2015, veranstaltet von der Professur für Neuere und Neueste Geschichte und Didaktik der Geschichte, Technische Universität Dresden, und der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung am 27./28. März 2015. (weitere Informationen...)

 

27. März, 16.00 – 17.00 Uhr: 

Eva Locher/Stefan Rindlisbacher: „Innere Verwandtschaft braucht keine Organisation“ - der „Schweizer Lichtbund“ von den 1920er bis zu den 1960er Jahren

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